Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“  
 Lk 24, 4-6

Am ersten Tag der Woche machten sich die Frauen mit wohlriechenden Ölen und Salben auf zum Grab. Ihr Gang ist ruhig und andächtig, im Innersten sitzt der Schrecken jedoch noch tief. Wen besuchen sie da eigentlich? Jesus, den verkündigten Messias, den Friedefürst, Wundervollbringer und Krankenheiler? Oder Jesus, den gescheiterten „Judenkönig“, wie ihn die Römer spöttisch nannten, der zu viel und zu laut seine blasphemischen Worte predigte und dafür nun die Rechnung erhalten hatte? Je näher sie dem Grab kamen, desto sinnloser und unwirklicher wirkten die letzten Monate: Stürme stillen, Brot vermehren, auf dem Wasser gehen und Kranke heilen war für ihn alles kein Problem. Die unendlichen Erwartungen und Hoffnungen in diesen Mann und sein Reich des Friedens waren doch gut begründet, doch jetzt kam sein Tod so schnell und hart, dass es ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Mit dem Tod enden schmerzhaft alle Hoffnungen und Erwartungen. Ein Toter bringt keinen Frieden, vollbringt keine Wunder und heilt keine Kranken. Das erwartete Friedensreich bleibt aus. Sie wollten den verkündigten König salben, nun salben sie einen kalten Leichnam.

Am Grab angekommen fanden sie jedoch keinen Leichnam. In die Ratlosigkeit sprechen „zwei Männer in glänzenden Kleidern“ die Worte dieser Monatsandacht und erweitern dadurch die bereits zahlreichen Titel Jesu um einen Weiteren:
Jesus lebt, er ist der Auferstandene!
Der Titel des Auferstandenen ändert nun alles. Weil dieser Titel wahr ist, sind auf einmal wieder alle anderen Titel wahr: Der Auferstandene ist ein Friedensstifter, Wundervollbringer und Krankenheiler. Alle Erwartungen und Hoffnungen, die vor seinem Tod galten, gelten nun wieder, erweitert durch den Faktor Ewigkeit. Ewiger Frieden, ewiger König, ewiges Leben. Dabei zeigt sich die Andersartigkeit des Reiches Gottes gerade darin, dass ausgerechnet der Tod, der eigentlich für das absolute Ende steht, nun das ewige Leben einleitet. Die Frauen und Jünger hatten etwas ganz Anderes erwartet. Ihr Blick war auf das Weltliche gerichtet: Sie sahen das Ende, nicht den Neuanfang! Die Jünger verstanden es erst, nachdem sich Jesus ihnen zeigte. Als er wieder fort ging hatte sich etwas in ihnen verändert. Der Glaube an Jesu Lebendigkeit trieb die Jünger aus ihren Häusern in die Welt, um die frohe Botschaft zu verkünden. Dort sahen ihre Augen erneut Tod, Gewalt, Hass und sicher auch Enttäuschungen. Doch anstatt aufzugeben war ihr Blick diesmal auf den Lebendigen gerichtet. Sie wussten nun, wo sie ihn suchen mussten.

Der Blick in die Welt kann oft enttäuschen. Tod, Gewalt und Hass nagen an dem Glauben an ein gutes Ende. Doch allem Augenschein zum Trotz glauben wir an einen lebendigen Gott, dessen ewiges Friedensreich im Kommen ist.

Markus Höfler

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Rektoratsassistent an der Theologischen Hochschule Elstal

 

26.02.2017

Ein neues Jahr – ein neues Herz

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ez 36,26

Noch einmal ganz neu anfangen – aber so, dass es wirklich funktioniert. Das wäre schön. Wie viele gute Vorsätze gibt es? Wie oft wollen Menschen ihr Leben ändern, es richtig machen, noch mal von vorne anfangen? Und dann geht es eine Weile gut bevor alte Muster wieder vorherrschend werden.

Diese menschliche Grunderfahrung spiegelt sich auch in der Jahreslosung. Das Volk Israel musste das Land verlassen, wurde vertrieben unter andere Völker. Gerade für diese Völker war dann deutlich: der Gott Israels hat versagt. Er ist ohnmächtig, denn er hat es nicht geschafft, sein Volk zu beschützen, vor dieser Katastrophe zu bewahren. So hat Israel den Namen seines Gottes entweiht. Hesekiel schreibt die Ursache der Katastrophe nicht Gott zu, für ihn waren die Menschen unfähig, die Gebote Gottes zu halten. Der Mensch: unverständig, uninteressiert, unfähig eine gesunde Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten. Das ist nach Hesekiel die Ursache für die Niederlage des Volkes und die Vertreibung ins Exil. Der Mensch: beziehungsunfähig. Dafür steht das alte Herz, ein Herz aus Stein, hart – kalt – tot, ohne Bewegung und Flexibilität, keine Liebe, keine Sehnsucht, nur Stillstand. „Für mich bist Du tot!“, so sagen wir, wenn für uns eine Beziehung endet. Auch hier wird deutlich, zwischen Gott und seinem Volk ist keine Beziehung mehr möglich. Ende. Aus.

Jetzt muss Gott aber dringend vor den Völkern „um seines Namens willen“ handeln. Nur indem er Israel rettet, kann er zeigen, dass er nach wie vor ein mächtiger Gott ist. Dazu hätte es genügt, das Volk wieder in sein Land zurückzuführen. Aber Gott tut weit mehr. Er stellt nicht nur „seinen Namen“ vor den Völkern wieder her. Er erbarmt sich. Die Liebe zu seinen Menschen überwältigt ihn. Er schenkt einen neuen Anfang, schafft wieder neues Leben. Da wo nur ein totes Herz aus Stein ist, schenkt er ein lebendiges, pulsierendes, fühlendes, denkendes und sehnendes Herz. Von sich aus ist der Mensch nicht in der Lage, seine Unfähigkeit zur Beziehung mit Gott zu ändern. Aber Gott geht über sich hinaus, versucht es noch einmal. Er selbst schafft nun im Menschen die Voraussetzung ihn zu lieben und ihm zu dienen. Er stattet den Menschen mit einem neuen Geist aus, einer neuen Gesinnung, einem erneuerten Willen, sich auf ihn zu beziehen und ihm zu dienen. So kann es nun gehen, kann eine dauerhafte Beziehung zwischen Mensch und Gott möglich sein. Ein neues Herz aus Fleisch: weich und warm, lebendig, pulsierendes Leben, Sehnsucht und Bewegung. Ein Mensch, dessen Herz sich nach Gott sehnt, der Gottes Willen gerne tun möchte und auch dauerhaft dazu in der Lage ist. Gott erbarmt sich, beschenkt den Menschen mit einem neuen Herzen und einem neuen Geist, geht über sich hinaus und stellt die Beziehung wieder her, damit der Mensch wieder neu lebendig wird.

Und doch kommt auch dieser Mensch wieder an seine Grenzen. Bis Gott letztlich in Christus noch einmal ganz anders über sich hinausgeht und den Menschen in seiner Liebe und seinem Erbarmen noch einmal ganz neu zur Beziehung mit ihm befähigt. Noch einmal schenkt er neues Leben und befähigt den Menschen durch seinen Geist, nach seinem Gebot der Liebe zu leben. Und wenn ich dann wieder an meine menschlichen Grenzen komme? Dann darf ich mit Psalm 51 beten „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist.“

 

Prof. Dr. Andrea Klimt

Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal

07.02.2017

Fragen über Fragen

fragezeichen

Kleine Kinder haben keine Hemmungen Fragen zu stellen. Warum ist das so? Warum machst du das? Wie geht das? Wann sind wir da? Was für Erwachsene manchmal anstrengend ist, ist für Kinder wichtig um ihr Lebensumfeld zu begreifen und ihren Horizont zu erweitern. Fragen begegnen uns in unserem Leben täglich – von der einfachen Frage nach der Uhrzeit bis hin zur Frage nach dem was unser Leben bestimmt oder infrage stellt.

Fragen dienen der Informationssammlung, der Einschätzung von Situationen. Sie können uns gedanklich ins Stolpern bringen, uns herausfordern, uns neue Sichtweisen eröffnen.
Mit einer ernstgemeinten Frage nach dem Befinden oder Erleben des anderen wenden wir uns ihm zu und öffnen einen Raum in dem wir Gemeinschaft und Anteilnahme erfahren. Fragen können jedoch auch negativ besetzt sein. Immer dann, wenn sie uns in Verlegenheit bringen oder moralisch unter Druck setzten. Wenn jemand uns eine Frage stellt, dann erwartet er eine Auskunft, eine Antwort oder Erklärung. Was aber ist mit den Fragen, die wir nicht beantworten können? Die Fragen nach dem „warum“ von Krankheit, Leid und Tod. Wir haben darauf oft keine Antwort, sie entzieht sich unserem menschlichen Denken. Hier sind wir aufgefordert innezuhalten, nicht nach einer schnellen Antwort zu suchen. Wir müssen die Fragen aushalten, auf die es hier und jetzt keine Antwort gibt. Die Geschichte der Menschen beginnt verheißungsvoll. Doch schon bald steht eine ernste Frage im Mittelpunkt: „Adam - Mensch, wo bist du?“ Keine Frage nach dem Aufenthaltsort, sondern eine die Verhalten und Gehorsam infrage stellt: „Mensch – wo stehst du in deinem Leben?“ Gott hat für das Leben im Garten Eden nur eine wirklich wichtige Einschränkung gemacht: „…Du darfst jede beliebige Frucht im Garten essen, abgesehen von den Früchten vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“ (1. Mose 2, 16 + 17).

Adam und Eva lassen sich verführen und werden sich noch im selben Moment ihres menschlichen Versagens bewusst. Als Gottes Frage sie erreicht, haben sie keine Wahl, sie müssen sich stellen, Farbe bekennen und mit den Konsequenzen weiterleben. 

Viele Jahrhunderte später muss jemand erneut Farbe bekennen. Wieder geht es um eine Frage die aus einem Fehlverhalten resultiert, eine Frage die Leben verändern wird. Genau genommen sind es drei Fragen. Dreimal fragt Jesus Petrus: „Hast du mich lieb?“ Dreimal wurde Petrus im Hof des priesterlichen Palastes nach Jesus gefragt und dreimal verliert er den Mut ehrlich zu antworten. Als er dann Jesus nach der Auferstehung wiederbegegnet muss er Stellung beziehen. Dreimal fragt Jesus: „Hast du mich lieb, Petrus?“ Doch diesmal ist es anders als bei Adam, denn Jesus hat durch sein Sterben und die Auferstehung die Vorzeichen verändert, den Weg zu Gott frei gemacht. Mit jeder Frage die Jesus stellt eröffnet er für Petrus einen neuen Raum, eine neue Lebensperspektive, einen Auftrag. (Joh. 21, 15 ff) Jesus verharrt mit seinen Fragen nicht in der Vergangenheit, moralisiert nicht und klagt nicht an. Jesus hat das Ziel – Gottes Reich zu bauen - im Blick. Dabei ist ihm Petrus als Mensch mit seinen Möglichkeiten, seinen Gaben wichtig, um gemeinsam mit ihm neue Denk- und Handlungsprozesse in Gang zu setzen. Viele Jahrhunderte später….

Die Frage: „Hast du mich lieb?“ steht nach wie vor im Raum. Das Ziel ist immer noch das gleiche. Jesus hat unser ganzes Leben, mit allem was in uns angelegt ist, was uns prägt und antreibt, was uns umtreibt und zweifeln lässt, was uns freut und Spaß macht, im Blick. ER will gemeinsam mit uns Neues gestalten. Nun sind wir an der Reihe Stellung zu beziehen, sind wir aufgefordert die Frage zu beantworten!


Annette Grabosch

14.10.2016


Gott spricht: „Ich habe dich je und je geliebt,
darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter
Güte.“
Jeremia 31, 3

Liebe Gemeinde,
mit Jeremia bekommen wir einen Blick in das Herz Gottes - hören mit, was sein Herz bewegt, spüren etwas von den Motiven Gottes. Gott sucht unser Herz und möchte mit uns im Vertrauen verbunden sein. Was aus dem Umfeld des Abschnittes deutlich wird: Die Liebe Gottes sorgt auch für Lebensbedingungen, die für uns Menschen gut und lebensfördernd sind. Die Liebe Gottes ist "krisenfest" in dem Sinne, dass auch dort wo wir versagen, dass Gott an der Gemeinschaft mit uns festhalten will, dass er Wege sucht, damit wir in die Gemeinschaft mit ihm wiederfinden können. Das ist die Berufung des Propheten: Die Wiederherstellung der vertrauensvollen Lebensgemeinschaft zwischen Gott und uns Menschen. Es ist eine schenkende Liebe, eine Liebe, die sich auf uns zu bewegt. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott sich auf uns zu bewegt und hat uns seine Liebe in einer ganz neuen Weise vermittelt. Gott hat sich aus Liebe zu uns Menschen in unsere Welt begeben. Jeremia wird auch von diesem Neuen Bund bewegt, den Gott mit uns eingehen will. Alles aus Liebe. Jeremia wird bewegt und ermutigt durch die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Gott hat sich gezeigt und hat ihm in seinen schweren und dunklen Stunden Kraft gegeben durchzuhalten und das Vertrauen zu Gott zu bewahren. Unsere Nachfolge braucht immer wieder neu die Begegnung und das Erleben mit Gott. Diese Erfahrung ist ein Geschenk, dass und aus dem Wort, dem Geist Gottes und auch aus der Gemeinschaft untereinander immer neu vermittelt wird. Nicht verfügbar von uns aus, eben ein beglückendes Geschenk, aber dennoch können wir uns öffnen, auf den Weg machen und die Begegnung suchen. Gott hat das Volk aus Güte zu sich gezogen. Das Volk, das ihn verstoßen hatte, das hat er lieb behalten und hat es wieder in die Arme genommen, als es umkehrte. Einen solchen Gott bezeugt uns die Bibel: Einen Gott, der nicht nur Israel, sondern auch uns liebbehält, selbst wenn wir ihn enttäuscht haben. Er wartet auf uns mit offenen Armen.


Pastor Ulrich Martens

12.09.2016


baeumeAuf einem Hügel in Israel wuchsen drei Bäume nebeneinander. Jeder von ihnen hatte einen Wunsch, was er einmal werden wollte. Der erste Baum sprach: „Ich wünsche mir, dass aus meinem Holz mal eine wunderschöne Schatztruhe gemacht wird, besetzt mit Perlen und Edelsteinen! Der zweite Baum sagte: „Mein Wunsch ist es, dass aus meinem Holz ein großes Boot gebaut wird, das über die Meere segelt und ferne Länder erkundet.“ Der dritte Baum überlegte nicht lange und sagte: „Ich wünsche mir ein großer kräftiger Baum zu sein, zu dem die Menschen aufsehen und dann den Himmel erblicken.“ Einige Jahre später, die Bäume waren gewachsen, kamen die Holzfäller und fällten die Bäume. Sie brachten sie weg, zersägten sie und dann – nach der Zeit der Lagerung wurden sie weiter verarbeitet. Der erste Baum, wurde zu einer schlichten Futterkrippe verarbeitet und stand in einem Stall. In einer besonderen Nacht wurde ein Kind geboren und zum Schlafen in die Futterkrippe gelegt. Der zweite Baum, der so gerne ein großes Boot sein wollte, fand sich eines Tages tatsächlich am Wasser wieder. Als kleines Fischerboot an einem See. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, bis zu der Nacht, in dem es im starken Sturm fast unterging, wäre da nicht der Mann gewesen, der dem Sturm Einhalt gebot. Und der dritte Baum? Er hatte viele Jahre auf einem Holzstapel gelegen. Eines Tages wurde der kräftigste Balken aus dem Stapel gezerrt und einem Mann auf die Schultern gelegt, der damit durch die Straßen der Stadt laufen musste. Die Geschichte (gekürzte Fassung) spricht eigentlich für sich. Jeder dieser Bäume wird zu etwas einzigartigem und wertvollen, doch so hatten sie sich das nicht vorgestellt und gewünscht, es lief anders als geplant.

G L A UB E N L E B E N Gott begegnet uns als liebevoller Vater und wenn wir mit ihm in Beziehung sind, dann wird er seinen Plan – unseren Lebensplan – vor uns ausbreiten, er lässt uns nicht planlos sein. Er möchte, dass wir uns zu mündigen, verantwortungsvoll denkenden und handelnden Menschen entwickeln. Menschen die anderen ein Licht und Wegweiser sein können und die sein Reich bauen. Gott wird uns zeigen wozu wir berufen sind, wo er uns gebrauchen möchte. Er wird uns unsere Möglichkeiten, Fähigkeiten, unsere Gaben deutlich machen. Die Voraussetzung ist, dass wir uns auf ihn ausrichten. Und unsere Pläne? Sollen wir keine machen? Doch sollen wir! In Sprüche 16, 3 heißt es: „Vertraue Gott deine Pläne an, er wird dir Gelingen schenken.“ In der Beziehung zu Gott werden seine und meine Pläne wie Puzzlestücke aneinander passen und in meinen Lebensplan eingefügt sein. Ein Lebenspuzzle, das groß und bunt sein wird, das Überraschendes und manch Unerwartetes hervorbringt.

 

Annette Grabosch

15.08.2016


Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.


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