Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! Hosea 10,12 (L)

Nichts ist in Ordnung. Die guten Zeiten sind längst vergangen. An allen Ecken und Enden läuft es schief. Die bisherigen Rezepte und Autoritäten funktionieren nicht mehr. Weder der König, noch die gewohnten frommen Übungen helfen. Die Misere nimmt kein Ende und alles scheint irgendwie zusammenzuhängen. Das Volk Gottes beklagt zwar die Folgen, scheint sich jedoch der Ursachen nicht bewusst zu sein. Hosea 10 liest sich wie eine Anklageschrift, eine lange Kette der Schuld, die sich auftürmt zu einer erdrückenden Last. Die Voraussetzungen waren so gut, aber die Liste der verpassten Chancen ist lang und dann drückt noch die Erkenntnis: Wir selbst tragen dafür Verantwortung. Aber Gott treibt uns nicht in die Enge, um uns fertig zu machen, sondern wirbt um unsere Einsicht, um unser Herz und unser Vertrauen zu ihm. Gott schenkt einen neuen Anfang. Es muss nicht so weitergehen, wie bisher. Wir stehen vor der Frage: Herr, was willst Du, dass ich tun soll? Wie kann ich mich verändern? Nach welchen Werten und Maßstäben kann ich mich richten? Aber was fragen wir - das ist uns doch längst bekannt. Wer die Gerechtigkeit Gottes als Vorbild nimmt, der erntet Liebe! “Was der Mensch sät, das wird er ernten“. Wir selbst sind gefragt. Wir können unser Leben und unser Verhalten ändern, die gestalterische Verantwortung dafür tragen wir. Es ist unsere Entscheidung. Gott mutet uns diese Freiheit zu. „Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit! Denn sie sollen gesättigt werden.“ Als Jesus das sagte, hatte er sehr viele Menschen vor sich. Seine Worte sind uns gut bekannt dennoch fällt es uns so schwer einen neuen Anfang zu machen. Auf meiner ersten christlichen Freizeit, ging es in den Bibelarbeiten und Andachten um die Bergpredigt Jesu. Für mich waren diese Worte ganz neu, die Worte Jesu faszinierten mich, so würde ich auch gerne leben. Doch je mehr ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich das nicht schaffe. So konsequent und liebevoll bin ich nicht. Das ist nur möglich, wenn Jesus mir hilft. Deshalb habe ich mein Leben Jesus anvertraut, weil er mich einlädt zur Vergebung, zur Erneuerung und dazu, diesen Weg in der Gemeinschaft der Gemeinde* zu gehen.

Ulrich Martens

* in diesen Zusammenhang empfehle ich Galater 6, 1-10

 


Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Joh 20,21

Noch konnten es die Jünger Jesu nicht fassen. Noch hatten sie Angst und versteckten sich: nicht, dass auch sie ans Kreuz genagelt werden und einen schrecklichen Tod sterben wie ihr Meister Jesus. Die Frauen hatten zwar etwas davon erzählt, dass Jesus ihnen im Garten begegnet ist. Aber das kann ja gar nicht sein: Tot ist tot! Für Jesus und für sie gab es keine Hoffnung. Alle Türen haben sie verschlossen, alle Fenster verrammelt. Hoffnungslos und verzagt kauerten sie im Halbdunkeln. Plötzlich steht Jesus da, einfach so, und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Zweimal sagt er ihnen seinen Frieden zu. „Ich bin kein Gespenst, sondern Jesus, den ihr kennt; seht meine durchbohrten Hände.“ Es geht alles so schnell; sie können es kaum fassen, glauben: Jesus ist wirklich vom Tod auferstanden und er lebt. Nun spricht er das Sendungswort über sie aus und bläst sie an mit dem Geist Gottes, der ihn lebendig und die Macht des Todes gebrochen hat. Jesu Werk ist nicht zu Ende; sein Heil will zu allen Menschen kommen. Und dazu sendet er sie, die sich vor Unsicherheit und Angst verkrochen hatten. Sie sind berufen, die Mission Jesu fortzusetzen.

Jesus hat den Jüngern damals und uns heute den Weg unserer Mission vorgezeichnet: Er predigte das Reich Gottes, forderte zur Umkehr heraus und lud dazu ein, sich auf die Liebe seines himmlischen Vaters einzulassen. Jesus nahm die Menschen in ihren Nöten ernst und berührte sie heilend und befreiend. Er setzte sich mit den Verstoßenen an einen Tisch, aß und trank mit ihnen, und ließ sie so die Nähe Gottes spüren. Wie er als Gottessohn sich erniedrigte und Mensch wurde, so sind wir berufen, unseren Mitmenschen Schwester und Bruder zu sein. Wir müssen nicht alles auf einmal tun; wir müssen eigentlich gar nichts, sondern lassen einfach die Liebe Gottes durch uns hindurch fließen zu den Menschen um uns herum. Dabei mögen wir uns unsicher oder ungenügend fühlen, aber Jesus, der Auferstandene, ist da, und sein Friede durchdringt den Nebel unserer Furcht und kommt bei anderen an, durch uns und manchmal auch trotz uns.

Prof. Dr. Michael Kißkalt

Theologische Hochschule Elstal

03,04,2018


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 

Offenbarung 21,6 
Am Anfang eines neuen Jahres nähern wir uns mit diesem Vers dem Ende des letzten Buches der Bibel. Im vorletzten Kapitel geht es noch einmal ums Ganze: „Und er sprach zu mir: Es ist geschehen: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wie Jesus am Kreuz unmittelbar vor seinem Tod sein Leben zusammenfasst: „Es ist vollbracht“, so blickt Gott mit diesen Worten auf die gesamte Heilsgeschichte. Der Tod hat nicht das letzte Wort behalten, sondern das Leben hat gesiegt. Der zu Unrecht Hingerichtete ist nun selbst der gerechte Richter auf dem Thron Gottes. Aus himmlischer Perspektive wird ein klarer Blick auf die Dinge zwischen Alpha und Omega, zwischen Anfang und Ende offenbart. In diesem Bereich leben wir. Vom Kreuz her kommend, gehen wir auf den Richterstuhl Gottes zu, auf dem Jesus Christus sitzt. Das ist die Perspektive, in der sich unser gegenwärtiges und zukünftiges Leben als Christinnen und Christen vollzieht. Wir sind auf dem Weg zur endgültigen Verwirklichung des Heils am Ende aller Zeiten. Welche Werke können wir dazu beitragen? Was wird von uns erwartet, damit wir dereinst vor Gott bestehen können? Nichts. Nein, wirklich nichts! Unser Heil ist schon am Kreuz von Golgatha erworben worden und der Glaube daran ist Geschenk. Wir können und sollen Jesus nachfolgen, aber das Heil müssen und können wir nicht selbst hervorbringen. Entscheidend ist jedoch, dass wir auf dem Weg nicht verdursten. Das Bild führt uns weit zurück in die Zeit des Auszugs der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft zu lebensbedrohlichen Erfahrungen des Wassermangels. Mitten in der Wüste erleben sie, wie Gott Wasser aus einem Felsen fließen lässt (4.Mose 20,2ff.) und Mensch und Vieh vor dem sicheren Tod bewahrt. Als Hirte führt Gott auch uns zum frischen Wasser (Ps 23,2). Dem Ende der Johannesoffenbarung noch etwas näher folgt ein Aufruf (Offb 22,17): „Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Wir werden vom Geist Gottes und von Jesus aufgefordert, uns kräftig zu bedienen. Wo sind die Orte, an denen dieses Wasser fließt? Lebendig sprudelnde Gottesdienste mit inspirierendem Wort und frischem Lobpreis, gute Gespräche unter Wasserfreunden, tiefschöpfender Austausch über Bibeltexte und Zeiten des stillen Hörens auf das fließende Wasser sind nur einige Beispiele, die unseren Glauben vor dem Vertrocknen bewahren. Für das neue Jahr 2018 wünsche ich uns jede Menge solcher Quellerfahrungen, – von dem, der der Anfang und das Ende ist.

Prof. Dr. Carsten Claußen
Theologische Hochschule Elstal

27.12.2017

22.10.17

Liebe Gemeinde,
das Buch des kürzlich verstorbenen Heiner Geißler: "Was müsste Luther heute sagen?"* stellt eine wichtige Fragen für jeden Christen. Wie lebe ich mein Christsein? Nach welchen Maßstäben richte ich meine Nachfolge aus? Was ist in meinem Leben mit Jesus reformbedürftig?
Freiheit**
zunächst müssen wir erst einmal nichts ...
Luther schreibt: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."

Diese zwei Thesen stehen klar bei Paulus: „Ich bin frei in allen Dingen und habe mich eines jedermanns Knecht gemacht“ (1. Korinther 9, 19).
Ebenso: „Ihr sollt niemandem in etwas verpflichtet sein, als dass ihr euch untereinander liebet. Liebe aber, die ist dienstbar und untertan dem, das sie lieb hat“ (Römer 13, 8).

Luther beschreibt christliche Freiheit in einer motivierenden Spannung:
Ausgelöst durch das befreiende Geschenk der Gnade Gottes, in der aufbauenden Würde unser Nachfolge, als eine selbstgewählte, sinnvolle und segensreiche Beziehung zu Jesus Christus. Gelebte Verbindlichkeit mit Christus bewirkt auch tragende Beziehungen untereinander, die einerseits achtungsvoll die Freiheit meines Gegenübers und meiner Glaubensgeschwister akzeptieren kann und andererseits bereit ist, einander als kritisches Gegenüber, in kritischer Solidarität sich etwas sagen zu lassen.

... wir können
Mit seinen reformatorischen Grundsätzen hat Luther eine Vorstellung entwickelt, wie Nachfolge Jesu in der Freiheit Christi reformiert und weiterentwickelt werden kann.

4 Fakten über den Glauben, die jeder wissen sollte.
Luther fand durch sein Bibelstudium Folgendes heraus:

Allein Jesus Christus. Luther spürte wie viele andere auch, dass er viel zu schlecht war, um in den Himmel zu kommen. Doch kein Geld der Welt könnte ihm die Tür öffnen. Nur Jesus, der das Lösegeld durch seinen Tod am Kreuz für mich bezahlt hat, kann wirklich retten.
Apostelgeschichte 4,12

Allein die Gnade Gottes kann mich vor der Verlorenheit retten. Als Mönch vertraute er bis dahin auf seine Frömmigkeit. Keine gute Tat
reicht, um in den Himmel zu kommen. Römer 3,19-25

Allein der Glaube. Luther rang darum, gerettet zu werden. Er fand heraus, dass persönliches Vertrauen auf das, was Jesus für ihn getan
hat, ausreicht. So fand er damals auf der Wartburg zum Frieden mit Gott. Johannes 1,12

Allein die Bibel gibt mir wahre Auskunft über Gott, Glaube und Leben.
Damals wurde vieles im Namen Gottes veranstaltet. "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", so der Ablassprediger Tetzel. Luther fand heraus, dass die Bibel etwas völlig anderes lehrt: nämlich die Gnade. Johannes 21, 24-25

"Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang." (Konrad Adenauer) Eine wesentliche Grundlage und Quelle für Reformation war und ist die Bibel, das lebendige Wort Gottes. Für meine Wahrnehmung scheint uns das nicht mehr so sehr im Blick zu sein. Es wird so wenig davon erzählt ...
"Ich hab nun 28 Jahr, seit ich Doktor geworden bin, stetig in der Biblia gelesen und daraus geprediget, doch bin ich ihrer nicht mächtig und find' noch alle Tage etwas Neues drinnen." (Martin Luther) Offenbar geht es nicht so sehr um Wissen, sondern das Bibellesen ist wohl eher ein Ausdruck der Gemeinschaft und der Verbundenheit mit Jesus. Die tägliche Begegnung bringt die Kraft für den Alltag. Ähnlich wie es unsere körperliche Gesundheit sinnvoll ist, dass wir uns ausreichend an der frischen Luft bewegen, so helfen uns motivierende Gewohnheiten und Rituale, die unserer Seele guttun und uns für unser Leben Mut und Energie geben. Luthers Anliegen war, dass jeder für sich die Bibel lesen kann und sich auf den Weg macht, Jesus und sein Wort zu verstehen. Ihm war wir wichtig, was unser Vertrauen zu Christus voranbringt. Damit verschiebt sich, ganz im Sinne Luthers, die Frage:
Was möchte Jesus uns heute sagen? Na dann neu weiter!

In einem Brief am 8.Juli 1530 beschreibt Martin Luther sein Wappen:


csm Lutherrose bunt 70c060f928

"Das erste sollte ein Kreuz sein - schwarz - im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht ... Solch Herz soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt ... darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig...
Und um solch ein Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währt und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste köstlichste Erz ist ..."
Ulrich Martens

 

 

* ist eine sehr persönliche Annäherung an den Reformator durch den Jesuitenschüler und Katholiken Heiner Geißler. Könnte Martin Luther auch heute die Welt verändern? Was müsste er jetzt in den christlichen Kirchen reformieren? „Jeder intelligente Katholik ist im Innern auch immer ein Protestant.“ (aus dem Klappentext)
** Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520) - anspruchsvoll im Sinne von gehaltvoll, lohnend, fordert unser Herz und
unser Denken. Gerne stelle ich den Text zur Verfügung.


09.09.2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

Liebe Gemeinde,

Jesus erzählt drei Gleichnisse; sie gehören zusammen. Wiederfinden ist Freude, Umkehr ist Freude, Umkehr ist himmlische Freude, Umkehr ist gemeinsames neues Leben. Vers 10 ist Überschrift/ Einleitung zum Gleichnis vom liebevollen Vater mit den zwei Söhnen. Der zurückgekehrte Sohn freut sich. Der Vater umarmt ihn, noch bevor er um Vergebung bitten kann; er bekommt Geschenke, Kleidung, Schuhe, den Ring - er ist wieder zurückgekehrt zu dem, zu dem er gehörte.

Er erlebt ein "Willkommen zu Hause" - leider nicht ganz ...

Sein älterer Bruder ist überhaupt nicht begeistert. Ohne mit den betreffenden Personen gesprochen zu haben, ist er zornig und will nicht mitfeiern. Auch hier macht der Vater den ersten Schritt und redete ihm gut zu: ›Komm und freu dich mit uns!‹

Aber die Bitte des Vaters wird mit Vorwürfen beantwortet. Er rechtfertigt seine Weigerung zur Gemeinschaft mit seinen Arbeitsleistungen, mit seiner Perfektion und er betont die Schuld seines Bruders. Er selbst hatte "nie Bock" zum Feiern. Darin kommt das tiefe Missverständnis über die Gemeinschaft mit dem Vater und über das Miteinander der Geschwister zum Ausdruck. Er ist beziehungslos. Es ist so schade, dass er sich nur über sich selbst und nicht über die Beziehung mit dem Vater definiert. Er bleibt darin Knecht, der leisten muss und kennt noch nicht das Geschenk der Gotteskindschaft. Schließlich zählt der Vater noch einmal alles auf, was Grund zur Freude und Mitfreude ist: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was ich habe, gehört auch dir. Darum komm, wir haben allen Grund, fröhlich zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!<

Christen gelten oftmals als eng und verklemmt, angespannt, beschwert. Es ist so schade, wenn so wenig von der Leichtigkeit und der befreienden Freude zu spüren ist. Erlebte und gelebte Umkehr, erlebte und gelebte Vergebung vermittelt uns die Freude, die aus dem Vertrauen auf Jesu Vergebung entsteht. Zu dieser Freude der Gotteskinder lädt der Vater ein. In der vertrauensvollen Gemeinschaft mit dem Vater erleben wir die himmlische Freude der Umkehr. Es ist eine wunderbare Berufung, diese Freude zu leben und zur Freude mit Christus einzuladen. Jesus lässt das Gleichnis bewusst offen…

Wie will ich mich persönlich entscheiden?

Mit herzlichen Grüßen

Ulrich Martens


25.6.2017

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. Philipper 1,9

Paulus beginnt seine Briefe jeweils mit einem Fürbitte-Gebet: „Jedes Mal wenn wir für euch beten, danken wir ...“ (Vers 3). Dank ist ein guter Anfang für alle unsere Beziehungen in denen wir leben. Die Gemeinde Jesu lebt aus dem Gebet und der persönlichen Hinwendung zu Gott. Zuversicht und Motivation bekommen wir nicht, wenn wir nur aufeinander sehen, sondern im Angesicht Gottes. Ich fürchte jedoch, dass wir eher dazu tendieren die Fehler der anderen zu erforschen und zu beklagen, als das Wirken des Geistes Gottes am anderen zu sehen. Deshalb ist Dank ein guter Anfang. Dank für den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus, dass wir im Glauben unterwegs bleiben und erfahren, was es heißt von Christus erlöst zu sein. Fürbitte ringt darum, dass unsere Herzen zueinander finden – auch wenn wir so unterschiedlich sind – dass wir in Jesus Christus trotzdem verbunden sind. Paulus betet regelmäßig; er hat wohl feste Gebetszeiten und er bittet für alle in der Gemeinde. Dagegen erleben wir, dass zu Gebetstreffen nur noch sehr wenige kommen. Treffen wir uns „nur“ zum Beten? - oder wir sagen am Ende eines Treffens: „Jetzt lass uns noch (kurz) beten ...“ - und es wird so wenig davon erzählt, wie es uns in unserem Gebet geht. Dietrich Bonhoeffer (Gemeinsames Leben) greift auf, was Paulus vorlebt in seinen Briefen an die Gemeinden: „Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander, oder sie geht zugrunde.“ Im Gebet sind wir nicht nur alleine vor Gott, sondern auch immer miteinander verbunden in Jesus Christus. Christliche Gemeinschaft kann ich nicht von mir aus bewirken, sondern ausschließlich durch und mit Jesus Christus. Deshalb ist die Fürbitte so wichtig. Nur durch die Gemeinschaft mit Jesu Christus werden auch wir zu einer Gemeinschaft. Ohne die Herzensbegegnung mit Jesus gibt es auch keine Herzensbegegnung untereinander. Die Gemeinschaft bleibt unvollkommen, unerfüllt – anstrengend, wenn sie nicht durch Jesus Christus geschieht. Bonhoeffer schreibt weiter: „Darum ist die Fürbitte der verheißungsvollste Weg zum Andren, und das gemeinsame Gebet im Namen Christi die echteste Gemeinschaft.“ Wenn der andere nicht in unser Gebet mit Jesus Christus hineinkommt, bleiben wir bei der Selbstbeobachtung und werden nicht fähig zum Miteinander. Gemeinschaft beginnt im Gebet in der Fürbitte. Was sind die Anliegen in unseren Gebeten? Paulus betet dafür, dass bei seinen Mitchristen die Liebe wächst und sie Christusorientiert und mündig ihre Nachfolge leben können. Mit Liebe meint er nicht nur ein Gefühl oder Emotionalität, sondern er denkt an Erkenntnis und Erfahrung. Denn die Liebe, von der er hier spricht, ist immer eine Entscheidung, ein Entschluss unseres Herzens, unserer inneren Absichten und Beweggründe. Wenn es um Erkenntnis geht oder Weisheit, wie andere Übersetzungen das ausdrücken, dann geht es darum, dass wir erkennen und tun, was dem Leben, dem geistlichen Leben und unseren Beziehungen dient. Dass wir durch Weisheit erkennen, wo wir uns ändern und weiterentwickeln können. Um diese Erkenntnis geht es in der Fürbitte – und die Liebe gibt uns die Entschlossenheit, das auch zu tun und zu leben. Wir wissen so viel, aber wir leben es nicht. Wachstum in der Liebe meint: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Fürbitte will uns helfen, dass die Liebe Gottes sich lebendig in unserer Nachfolge ausdrückt. Deshalb richtet sich die Fürbitte auf das Verbindende, blickt auf den Glauben derjenigen für die gebetet wird – die Fehler und Schwächen sind nicht im Zentrum, sondern die Fürbitte ringt darum, dass die Gemeinschaft und der Glaube wächst, dass das Vertrauen zu Christus sich weiterentwickelt.Paulus betet für geistliches Wachstum, anstatt sich über die Fehler der anderen zu beschweren. Er weiß selbst zu gut, wie sehr man auf dem Holzweg sein kann. Ich habe den Eindruck – auch bei mir selbst – dass wir viel zu klagen und selbstbezogen beten. Fürbitte ist ein Teil dessen, wie Gott die Gemeinde Jesu geschaffen hat – ein Grundelement unserer Nachfolge. Fürbitte ist Ausdruck unserer Gemeinschaft. Fürbitte bedeutet Dauerpflege unseres Miteinanders – darauf bleiben wir angewiesen. Wie beim Zähneputzen ... das machen wir mehrfach täglich – mindestens morgens und abends – das gehört zu unserer täglichen Routine. Wenn wir es versäumen, dann ergeben sich langfristige Schäden. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen und auch richtig putzen, dann ist das ein Wohlgeschmack für uns selbst und auch ein Wohlgeruch für die Menschen in unserer Nähe.

Herzlichst Ulrich Martens


15.05.2017

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch
meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

Sacharja 4,6

Es geht um den Wiederaufbau des Tempels, eine Wiederbelebung und Reformation des geistlichen Lebens - persönlich und als Gemeinschaft. Doch die Bauarbeiten kommen ins Stocken, die Mittel werden knapp, man wird unsicher und die Motivation lässt nach. In diese Situation hinein haben die letzten drei Propheten des Alten Testaments - Haggai, Sacharja und Maleachi ihre Botschaft gesagt. Wie reagieren wir, wenn uns gesagt wird, dass unsere Kraft und Intelligenz alleine uns nicht durchs Leben bringen? Gott wirkt nicht durch militärische Gewalt oder andere menschliche oder weltliche Zwangsmaßnahmen, sondern auf viel bessere Weise: durch Hingabe, Dienen, Liebe, Freude, Vorbild, Überzeugung - um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Eben durch seinen Geist, der in großer Vielfalt uns Christen erfüllen und uns für Gottes Sache einsetzen möchte. Das Wirken Gottes dient dem Leben; seine tiefste Absicht ist, dass wir in einer vertrauensvollen und lebendigen Beziehung mit Ihm unser Leben gestalten. Gott hat uns als individuelle, unverwechselbare Persönlichkeiten geschaffen mit unserem eigenen Willen, inneren Absichten und der Freiheit, selbstbestimmte und verantwortliche Entscheidungen treffen zu können. Gott will auf unser Leben in keiner Weise Zwang ausüben, sondern er möchte uns für das Leben und das Vertrauen zu Ihm begeistern. ER möchte, dass wir Sinn erfahren. Mit seinem Geist gibt er uns an seinem kreativen und liebevollen Wesen Anteil. Gott vermittelt uns darin die Erfahrung, dass wir geliebt und angenommen sind und dass wir in seinem Sinne an der Welt mitwirken und Verantwortung übernehmen können. Das ist ein aktiver Gestaltungsauftrag, eine kreative Berufung, die uns Sinn und Freude vermittelt. Gott ist ein Liebhaber des Lebens. Durch seinen Geist bietet er uns an, in den wechselvollen, vielfältigen und herausfordernden Situationen unseres Leben unser Leben so zu gestalten, dass wir für unser Zusammenleben keine zerstörerischen Mittel (Zwang, Druck, emotionale Erpressung, Rückzug, Ablehnung, Intrigen, Unwahrheit) anwenden. "Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung." (Galater 5, 22)
Jeder ist für sein Handeln verantwortlich und auch dafür, wie er auf das Handeln anderer Menschen reagiert. Der Geist Gottes will uns helfen, dass wir zu einem neuen Leben befähigt werden. Dahinter steht die Aussage: Die Unsicherheit und die Inflation, der Verfall der Werte, sind auf die Gottlosigkeit zurückzuführen. Und die Wende liegt nicht im Geschick der Finanzpolitik, liegt nicht im geschickten Taktieren, liegt nicht in der Lösung der Machtfrage, sondern in der Umkehr zu Gott. So liegt der Wiederaufbau letztlich in der Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Der Geist Gottes vermittelt uns die Nähe und das Erleben Jesu im Alltag. Der Geist Gottes erinnert uns an die Worte Jesu und er verdolmetscht und übersetzt ihre Bedeutung ganz aktuell in unsere Lebenssituation hinein, damit unser Leben immer mehr von Jesus geprägt wird. Der Heilige Geist will die Einheit der Gemeinde wirken - nicht im Sinne einer Uniformität, sondern die Vielfalt der Begabungen zusammenführen, damit wir uns einig werden über die Ziele Gottes mit unserer Gemeinde. Der Geist Gottes wirkt Versöhnung. Damit wir unsere Kräfte nicht mit Streitereien vergeuden und uns immer wieder gegenseitig verletzen. Der Geist Gottes verändert unser Wesen und wir werden zum neuen Miteinander befähigt. Der Geist Gottes schenkt uns Freude an den Gaben Gottes; wir sind motiviert und entwickeln Tragkraft auch in schwierigen Situationen. Der Geist Gottes will uns helfen, unsere Müdigkeit und unsere Kraftlosigkeit zu überwinden. Der Geist Gottes will uns neu erwecken. Der Geist Gottes ist auch ein Geist des Gebets, dass wir nicht nur in unserer menschlichen Kraft denken und handeln, sondern dass wir um Gottes Kraft wissen und bitten. Der Heilige Geist will, dass sich unser Glaube in unserem Leben bewährt, dass die Entscheidungen unseres Leben zum Guten beitragen. Wie ein guter Ingenieur oder Handwerksmeister sich darum bemüht und dafür arbeitet, dass die Dinge unseres Leben funktionieren, so will der Geist Gottes, dass sich unser Vertrauen zu Christus in unserem Leben bewährt. Dazu gehört auch, dass wir die Anleitungen lesen - verstehen und danach handeln. Der Geist Gottes will, dass unser Leben und unser Zusammenleben ein Wohlklang ist, wie bei einem Symphonieorchester. Verschiedene Instrumente, verschiedene Stimmen, aber es gibt einen Notenschlüssel, der Takt ist vorgegeben und alle sehen auf den Dirigenten ...

Wie wollen wir das schaffen ...? "Was du vorhast, wird dir nicht durch die Macht eines Heeres und nicht durch menschliche Kraft gelingen: Nein, mein Geist wird es bewirken! Das verspreche ich, der HERR, der allmächtige Gott."
Herzlichst
Ulrich Martens


Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



Seniorentag 2018

Seniorentag 2018 0005Der Seniorentag 2018 des Landesverbandes NRW fand am Samstag, den 10.11. statt. ...

14.11.2018


Unsere Weltmission ist bunt, genauso wie unser Bund!

Eingeladen zu dieser Premiere hatte das Komitee für Weltmission des Dienstbereichs Mission, das die weltmissionarischen Aktivitäten innerhalb unserer Bundesgemeinschaft bündelt und koordiniert. .

15.11.2018

„Demenz – Leben mit Honig im Kopf“

„Demenz – Leben mit Honig im Kopf“ lautete das Thema des Impulstags Diakonie, zu dem der BEFG und das Diakoniewerk Kirchröder Turm am 20. Oktober gemeinsam eingeladen hatten.

30.10.2018

Zum Seitenanfang