22.10.17

Liebe Gemeinde,
das Buch des kürzlich verstorbenen Heiner Geißler: "Was müsste Luther heute sagen?"* stellt eine wichtige Fragen für jeden Christen. Wie lebe ich mein Christsein? Nach welchen Maßstäben richte ich meine Nachfolge aus? Was ist in meinem Leben mit Jesus reformbedürftig?
Freiheit**
zunächst müssen wir erst einmal nichts ...
Luther schreibt: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."

Diese zwei Thesen stehen klar bei Paulus: „Ich bin frei in allen Dingen und habe mich eines jedermanns Knecht gemacht“ (1. Korinther 9, 19).
Ebenso: „Ihr sollt niemandem in etwas verpflichtet sein, als dass ihr euch untereinander liebet. Liebe aber, die ist dienstbar und untertan dem, das sie lieb hat“ (Römer 13, 8).

Luther beschreibt christliche Freiheit in einer motivierenden Spannung:
Ausgelöst durch das befreiende Geschenk der Gnade Gottes, in der aufbauenden Würde unser Nachfolge, als eine selbstgewählte, sinnvolle und segensreiche Beziehung zu Jesus Christus. Gelebte Verbindlichkeit mit Christus bewirkt auch tragende Beziehungen untereinander, die einerseits achtungsvoll die Freiheit meines Gegenübers und meiner Glaubensgeschwister akzeptieren kann und andererseits bereit ist, einander als kritisches Gegenüber, in kritischer Solidarität sich etwas sagen zu lassen.

... wir können
Mit seinen reformatorischen Grundsätzen hat Luther eine Vorstellung entwickelt, wie Nachfolge Jesu in der Freiheit Christi reformiert und weiterentwickelt werden kann.

4 Fakten über den Glauben, die jeder wissen sollte.
Luther fand durch sein Bibelstudium Folgendes heraus:

Allein Jesus Christus. Luther spürte wie viele andere auch, dass er viel zu schlecht war, um in den Himmel zu kommen. Doch kein Geld der Welt könnte ihm die Tür öffnen. Nur Jesus, der das Lösegeld durch seinen Tod am Kreuz für mich bezahlt hat, kann wirklich retten.
Apostelgeschichte 4,12

Allein die Gnade Gottes kann mich vor der Verlorenheit retten. Als Mönch vertraute er bis dahin auf seine Frömmigkeit. Keine gute Tat
reicht, um in den Himmel zu kommen. Römer 3,19-25

Allein der Glaube. Luther rang darum, gerettet zu werden. Er fand heraus, dass persönliches Vertrauen auf das, was Jesus für ihn getan
hat, ausreicht. So fand er damals auf der Wartburg zum Frieden mit Gott. Johannes 1,12

Allein die Bibel gibt mir wahre Auskunft über Gott, Glaube und Leben.
Damals wurde vieles im Namen Gottes veranstaltet. "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", so der Ablassprediger Tetzel. Luther fand heraus, dass die Bibel etwas völlig anderes lehrt: nämlich die Gnade. Johannes 21, 24-25

"Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang." (Konrad Adenauer) Eine wesentliche Grundlage und Quelle für Reformation war und ist die Bibel, das lebendige Wort Gottes. Für meine Wahrnehmung scheint uns das nicht mehr so sehr im Blick zu sein. Es wird so wenig davon erzählt ...
"Ich hab nun 28 Jahr, seit ich Doktor geworden bin, stetig in der Biblia gelesen und daraus geprediget, doch bin ich ihrer nicht mächtig und find' noch alle Tage etwas Neues drinnen." (Martin Luther) Offenbar geht es nicht so sehr um Wissen, sondern das Bibellesen ist wohl eher ein Ausdruck der Gemeinschaft und der Verbundenheit mit Jesus. Die tägliche Begegnung bringt die Kraft für den Alltag. Ähnlich wie es unsere körperliche Gesundheit sinnvoll ist, dass wir uns ausreichend an der frischen Luft bewegen, so helfen uns motivierende Gewohnheiten und Rituale, die unserer Seele guttun und uns für unser Leben Mut und Energie geben. Luthers Anliegen war, dass jeder für sich die Bibel lesen kann und sich auf den Weg macht, Jesus und sein Wort zu verstehen. Ihm war wir wichtig, was unser Vertrauen zu Christus voranbringt. Damit verschiebt sich, ganz im Sinne Luthers, die Frage:
Was möchte Jesus uns heute sagen? Na dann neu weiter!

In einem Brief am 8.Juli 1530 beschreibt Martin Luther sein Wappen:


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"Das erste sollte ein Kreuz sein - schwarz - im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht ... Solch Herz soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt ... darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig...
Und um solch ein Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währt und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste köstlichste Erz ist ..."
Ulrich Martens

 

 

* ist eine sehr persönliche Annäherung an den Reformator durch den Jesuitenschüler und Katholiken Heiner Geißler. Könnte Martin Luther auch heute die Welt verändern? Was müsste er jetzt in den christlichen Kirchen reformieren? „Jeder intelligente Katholik ist im Innern auch immer ein Protestant.“ (aus dem Klappentext)
** Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520) - anspruchsvoll im Sinne von gehaltvoll, lohnend, fordert unser Herz und
unser Denken. Gerne stelle ich den Text zur Verfügung.


09.09.2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

Liebe Gemeinde,

Jesus erzählt drei Gleichnisse; sie gehören zusammen. Wiederfinden ist Freude, Umkehr ist Freude, Umkehr ist himmlische Freude, Umkehr ist gemeinsames neues Leben. Vers 10 ist Überschrift/ Einleitung zum Gleichnis vom liebevollen Vater mit den zwei Söhnen. Der zurückgekehrte Sohn freut sich. Der Vater umarmt ihn, noch bevor er um Vergebung bitten kann; er bekommt Geschenke, Kleidung, Schuhe, den Ring - er ist wieder zurückgekehrt zu dem, zu dem er gehörte.

Er erlebt ein "Willkommen zu Hause" - leider nicht ganz ...

Sein älterer Bruder ist überhaupt nicht begeistert. Ohne mit den betreffenden Personen gesprochen zu haben, ist er zornig und will nicht mitfeiern. Auch hier macht der Vater den ersten Schritt und redete ihm gut zu: ›Komm und freu dich mit uns!‹

Aber die Bitte des Vaters wird mit Vorwürfen beantwortet. Er rechtfertigt seine Weigerung zur Gemeinschaft mit seinen Arbeitsleistungen, mit seiner Perfektion und er betont die Schuld seines Bruders. Er selbst hatte "nie Bock" zum Feiern. Darin kommt das tiefe Missverständnis über die Gemeinschaft mit dem Vater und über das Miteinander der Geschwister zum Ausdruck. Er ist beziehungslos. Es ist so schade, dass er sich nur über sich selbst und nicht über die Beziehung mit dem Vater definiert. Er bleibt darin Knecht, der leisten muss und kennt noch nicht das Geschenk der Gotteskindschaft. Schließlich zählt der Vater noch einmal alles auf, was Grund zur Freude und Mitfreude ist: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was ich habe, gehört auch dir. Darum komm, wir haben allen Grund, fröhlich zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!<

Christen gelten oftmals als eng und verklemmt, angespannt, beschwert. Es ist so schade, wenn so wenig von der Leichtigkeit und der befreienden Freude zu spüren ist. Erlebte und gelebte Umkehr, erlebte und gelebte Vergebung vermittelt uns die Freude, die aus dem Vertrauen auf Jesu Vergebung entsteht. Zu dieser Freude der Gotteskinder lädt der Vater ein. In der vertrauensvollen Gemeinschaft mit dem Vater erleben wir die himmlische Freude der Umkehr. Es ist eine wunderbare Berufung, diese Freude zu leben und zur Freude mit Christus einzuladen. Jesus lässt das Gleichnis bewusst offen…

Wie will ich mich persönlich entscheiden?

Mit herzlichen Grüßen

Ulrich Martens


25.6.2017

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. Philipper 1,9

Paulus beginnt seine Briefe jeweils mit einem Fürbitte-Gebet: „Jedes Mal wenn wir für euch beten, danken wir ...“ (Vers 3). Dank ist ein guter Anfang für alle unsere Beziehungen in denen wir leben. Die Gemeinde Jesu lebt aus dem Gebet und der persönlichen Hinwendung zu Gott. Zuversicht und Motivation bekommen wir nicht, wenn wir nur aufeinander sehen, sondern im Angesicht Gottes. Ich fürchte jedoch, dass wir eher dazu tendieren die Fehler der anderen zu erforschen und zu beklagen, als das Wirken des Geistes Gottes am anderen zu sehen. Deshalb ist Dank ein guter Anfang. Dank für den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus, dass wir im Glauben unterwegs bleiben und erfahren, was es heißt von Christus erlöst zu sein. Fürbitte ringt darum, dass unsere Herzen zueinander finden – auch wenn wir so unterschiedlich sind – dass wir in Jesus Christus trotzdem verbunden sind. Paulus betet regelmäßig; er hat wohl feste Gebetszeiten und er bittet für alle in der Gemeinde. Dagegen erleben wir, dass zu Gebetstreffen nur noch sehr wenige kommen. Treffen wir uns „nur“ zum Beten? - oder wir sagen am Ende eines Treffens: „Jetzt lass uns noch (kurz) beten ...“ - und es wird so wenig davon erzählt, wie es uns in unserem Gebet geht. Dietrich Bonhoeffer (Gemeinsames Leben) greift auf, was Paulus vorlebt in seinen Briefen an die Gemeinden: „Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander, oder sie geht zugrunde.“ Im Gebet sind wir nicht nur alleine vor Gott, sondern auch immer miteinander verbunden in Jesus Christus. Christliche Gemeinschaft kann ich nicht von mir aus bewirken, sondern ausschließlich durch und mit Jesus Christus. Deshalb ist die Fürbitte so wichtig. Nur durch die Gemeinschaft mit Jesu Christus werden auch wir zu einer Gemeinschaft. Ohne die Herzensbegegnung mit Jesus gibt es auch keine Herzensbegegnung untereinander. Die Gemeinschaft bleibt unvollkommen, unerfüllt – anstrengend, wenn sie nicht durch Jesus Christus geschieht. Bonhoeffer schreibt weiter: „Darum ist die Fürbitte der verheißungsvollste Weg zum Andren, und das gemeinsame Gebet im Namen Christi die echteste Gemeinschaft.“ Wenn der andere nicht in unser Gebet mit Jesus Christus hineinkommt, bleiben wir bei der Selbstbeobachtung und werden nicht fähig zum Miteinander. Gemeinschaft beginnt im Gebet in der Fürbitte. Was sind die Anliegen in unseren Gebeten? Paulus betet dafür, dass bei seinen Mitchristen die Liebe wächst und sie Christusorientiert und mündig ihre Nachfolge leben können. Mit Liebe meint er nicht nur ein Gefühl oder Emotionalität, sondern er denkt an Erkenntnis und Erfahrung. Denn die Liebe, von der er hier spricht, ist immer eine Entscheidung, ein Entschluss unseres Herzens, unserer inneren Absichten und Beweggründe. Wenn es um Erkenntnis geht oder Weisheit, wie andere Übersetzungen das ausdrücken, dann geht es darum, dass wir erkennen und tun, was dem Leben, dem geistlichen Leben und unseren Beziehungen dient. Dass wir durch Weisheit erkennen, wo wir uns ändern und weiterentwickeln können. Um diese Erkenntnis geht es in der Fürbitte – und die Liebe gibt uns die Entschlossenheit, das auch zu tun und zu leben. Wir wissen so viel, aber wir leben es nicht. Wachstum in der Liebe meint: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Fürbitte will uns helfen, dass die Liebe Gottes sich lebendig in unserer Nachfolge ausdrückt. Deshalb richtet sich die Fürbitte auf das Verbindende, blickt auf den Glauben derjenigen für die gebetet wird – die Fehler und Schwächen sind nicht im Zentrum, sondern die Fürbitte ringt darum, dass die Gemeinschaft und der Glaube wächst, dass das Vertrauen zu Christus sich weiterentwickelt.Paulus betet für geistliches Wachstum, anstatt sich über die Fehler der anderen zu beschweren. Er weiß selbst zu gut, wie sehr man auf dem Holzweg sein kann. Ich habe den Eindruck – auch bei mir selbst – dass wir viel zu klagen und selbstbezogen beten. Fürbitte ist ein Teil dessen, wie Gott die Gemeinde Jesu geschaffen hat – ein Grundelement unserer Nachfolge. Fürbitte ist Ausdruck unserer Gemeinschaft. Fürbitte bedeutet Dauerpflege unseres Miteinanders – darauf bleiben wir angewiesen. Wie beim Zähneputzen ... das machen wir mehrfach täglich – mindestens morgens und abends – das gehört zu unserer täglichen Routine. Wenn wir es versäumen, dann ergeben sich langfristige Schäden. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen und auch richtig putzen, dann ist das ein Wohlgeschmack für uns selbst und auch ein Wohlgeruch für die Menschen in unserer Nähe.

Herzlichst Ulrich Martens


15.05.2017

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch
meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

Sacharja 4,6

Es geht um den Wiederaufbau des Tempels, eine Wiederbelebung und Reformation des geistlichen Lebens - persönlich und als Gemeinschaft. Doch die Bauarbeiten kommen ins Stocken, die Mittel werden knapp, man wird unsicher und die Motivation lässt nach. In diese Situation hinein haben die letzten drei Propheten des Alten Testaments - Haggai, Sacharja und Maleachi ihre Botschaft gesagt. Wie reagieren wir, wenn uns gesagt wird, dass unsere Kraft und Intelligenz alleine uns nicht durchs Leben bringen? Gott wirkt nicht durch militärische Gewalt oder andere menschliche oder weltliche Zwangsmaßnahmen, sondern auf viel bessere Weise: durch Hingabe, Dienen, Liebe, Freude, Vorbild, Überzeugung - um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Eben durch seinen Geist, der in großer Vielfalt uns Christen erfüllen und uns für Gottes Sache einsetzen möchte. Das Wirken Gottes dient dem Leben; seine tiefste Absicht ist, dass wir in einer vertrauensvollen und lebendigen Beziehung mit Ihm unser Leben gestalten. Gott hat uns als individuelle, unverwechselbare Persönlichkeiten geschaffen mit unserem eigenen Willen, inneren Absichten und der Freiheit, selbstbestimmte und verantwortliche Entscheidungen treffen zu können. Gott will auf unser Leben in keiner Weise Zwang ausüben, sondern er möchte uns für das Leben und das Vertrauen zu Ihm begeistern. ER möchte, dass wir Sinn erfahren. Mit seinem Geist gibt er uns an seinem kreativen und liebevollen Wesen Anteil. Gott vermittelt uns darin die Erfahrung, dass wir geliebt und angenommen sind und dass wir in seinem Sinne an der Welt mitwirken und Verantwortung übernehmen können. Das ist ein aktiver Gestaltungsauftrag, eine kreative Berufung, die uns Sinn und Freude vermittelt. Gott ist ein Liebhaber des Lebens. Durch seinen Geist bietet er uns an, in den wechselvollen, vielfältigen und herausfordernden Situationen unseres Leben unser Leben so zu gestalten, dass wir für unser Zusammenleben keine zerstörerischen Mittel (Zwang, Druck, emotionale Erpressung, Rückzug, Ablehnung, Intrigen, Unwahrheit) anwenden. "Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung." (Galater 5, 22)
Jeder ist für sein Handeln verantwortlich und auch dafür, wie er auf das Handeln anderer Menschen reagiert. Der Geist Gottes will uns helfen, dass wir zu einem neuen Leben befähigt werden. Dahinter steht die Aussage: Die Unsicherheit und die Inflation, der Verfall der Werte, sind auf die Gottlosigkeit zurückzuführen. Und die Wende liegt nicht im Geschick der Finanzpolitik, liegt nicht im geschickten Taktieren, liegt nicht in der Lösung der Machtfrage, sondern in der Umkehr zu Gott. So liegt der Wiederaufbau letztlich in der Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Der Geist Gottes vermittelt uns die Nähe und das Erleben Jesu im Alltag. Der Geist Gottes erinnert uns an die Worte Jesu und er verdolmetscht und übersetzt ihre Bedeutung ganz aktuell in unsere Lebenssituation hinein, damit unser Leben immer mehr von Jesus geprägt wird. Der Heilige Geist will die Einheit der Gemeinde wirken - nicht im Sinne einer Uniformität, sondern die Vielfalt der Begabungen zusammenführen, damit wir uns einig werden über die Ziele Gottes mit unserer Gemeinde. Der Geist Gottes wirkt Versöhnung. Damit wir unsere Kräfte nicht mit Streitereien vergeuden und uns immer wieder gegenseitig verletzen. Der Geist Gottes verändert unser Wesen und wir werden zum neuen Miteinander befähigt. Der Geist Gottes schenkt uns Freude an den Gaben Gottes; wir sind motiviert und entwickeln Tragkraft auch in schwierigen Situationen. Der Geist Gottes will uns helfen, unsere Müdigkeit und unsere Kraftlosigkeit zu überwinden. Der Geist Gottes will uns neu erwecken. Der Geist Gottes ist auch ein Geist des Gebets, dass wir nicht nur in unserer menschlichen Kraft denken und handeln, sondern dass wir um Gottes Kraft wissen und bitten. Der Heilige Geist will, dass sich unser Glaube in unserem Leben bewährt, dass die Entscheidungen unseres Leben zum Guten beitragen. Wie ein guter Ingenieur oder Handwerksmeister sich darum bemüht und dafür arbeitet, dass die Dinge unseres Leben funktionieren, so will der Geist Gottes, dass sich unser Vertrauen zu Christus in unserem Leben bewährt. Dazu gehört auch, dass wir die Anleitungen lesen - verstehen und danach handeln. Der Geist Gottes will, dass unser Leben und unser Zusammenleben ein Wohlklang ist, wie bei einem Symphonieorchester. Verschiedene Instrumente, verschiedene Stimmen, aber es gibt einen Notenschlüssel, der Takt ist vorgegeben und alle sehen auf den Dirigenten ...

Wie wollen wir das schaffen ...? "Was du vorhast, wird dir nicht durch die Macht eines Heeres und nicht durch menschliche Kraft gelingen: Nein, mein Geist wird es bewirken! Das verspreche ich, der HERR, der allmächtige Gott."
Herzlichst
Ulrich Martens


Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“  
 Lk 24, 4-6

Am ersten Tag der Woche machten sich die Frauen mit wohlriechenden Ölen und Salben auf zum Grab. Ihr Gang ist ruhig und andächtig, im Innersten sitzt der Schrecken jedoch noch tief. Wen besuchen sie da eigentlich? Jesus, den verkündigten Messias, den Friedefürst, Wundervollbringer und Krankenheiler? Oder Jesus, den gescheiterten „Judenkönig“, wie ihn die Römer spöttisch nannten, der zu viel und zu laut seine blasphemischen Worte predigte und dafür nun die Rechnung erhalten hatte? Je näher sie dem Grab kamen, desto sinnloser und unwirklicher wirkten die letzten Monate: Stürme stillen, Brot vermehren, auf dem Wasser gehen und Kranke heilen war für ihn alles kein Problem. Die unendlichen Erwartungen und Hoffnungen in diesen Mann und sein Reich des Friedens waren doch gut begründet, doch jetzt kam sein Tod so schnell und hart, dass es ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Mit dem Tod enden schmerzhaft alle Hoffnungen und Erwartungen. Ein Toter bringt keinen Frieden, vollbringt keine Wunder und heilt keine Kranken. Das erwartete Friedensreich bleibt aus. Sie wollten den verkündigten König salben, nun salben sie einen kalten Leichnam.

Am Grab angekommen fanden sie jedoch keinen Leichnam. In die Ratlosigkeit sprechen „zwei Männer in glänzenden Kleidern“ die Worte dieser Monatsandacht und erweitern dadurch die bereits zahlreichen Titel Jesu um einen Weiteren:
Jesus lebt, er ist der Auferstandene!
Der Titel des Auferstandenen ändert nun alles. Weil dieser Titel wahr ist, sind auf einmal wieder alle anderen Titel wahr: Der Auferstandene ist ein Friedensstifter, Wundervollbringer und Krankenheiler. Alle Erwartungen und Hoffnungen, die vor seinem Tod galten, gelten nun wieder, erweitert durch den Faktor Ewigkeit. Ewiger Frieden, ewiger König, ewiges Leben. Dabei zeigt sich die Andersartigkeit des Reiches Gottes gerade darin, dass ausgerechnet der Tod, der eigentlich für das absolute Ende steht, nun das ewige Leben einleitet. Die Frauen und Jünger hatten etwas ganz Anderes erwartet. Ihr Blick war auf das Weltliche gerichtet: Sie sahen das Ende, nicht den Neuanfang! Die Jünger verstanden es erst, nachdem sich Jesus ihnen zeigte. Als er wieder fort ging hatte sich etwas in ihnen verändert. Der Glaube an Jesu Lebendigkeit trieb die Jünger aus ihren Häusern in die Welt, um die frohe Botschaft zu verkünden. Dort sahen ihre Augen erneut Tod, Gewalt, Hass und sicher auch Enttäuschungen. Doch anstatt aufzugeben war ihr Blick diesmal auf den Lebendigen gerichtet. Sie wussten nun, wo sie ihn suchen mussten.

Der Blick in die Welt kann oft enttäuschen. Tod, Gewalt und Hass nagen an dem Glauben an ein gutes Ende. Doch allem Augenschein zum Trotz glauben wir an einen lebendigen Gott, dessen ewiges Friedensreich im Kommen ist.

Markus Höfler

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Rektoratsassistent an der Theologischen Hochschule Elstal

 

26.02.2017

Ein neues Jahr – ein neues Herz

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ez 36,26

Noch einmal ganz neu anfangen – aber so, dass es wirklich funktioniert. Das wäre schön. Wie viele gute Vorsätze gibt es? Wie oft wollen Menschen ihr Leben ändern, es richtig machen, noch mal von vorne anfangen? Und dann geht es eine Weile gut bevor alte Muster wieder vorherrschend werden.

Diese menschliche Grunderfahrung spiegelt sich auch in der Jahreslosung. Das Volk Israel musste das Land verlassen, wurde vertrieben unter andere Völker. Gerade für diese Völker war dann deutlich: der Gott Israels hat versagt. Er ist ohnmächtig, denn er hat es nicht geschafft, sein Volk zu beschützen, vor dieser Katastrophe zu bewahren. So hat Israel den Namen seines Gottes entweiht. Hesekiel schreibt die Ursache der Katastrophe nicht Gott zu, für ihn waren die Menschen unfähig, die Gebote Gottes zu halten. Der Mensch: unverständig, uninteressiert, unfähig eine gesunde Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten. Das ist nach Hesekiel die Ursache für die Niederlage des Volkes und die Vertreibung ins Exil. Der Mensch: beziehungsunfähig. Dafür steht das alte Herz, ein Herz aus Stein, hart – kalt – tot, ohne Bewegung und Flexibilität, keine Liebe, keine Sehnsucht, nur Stillstand. „Für mich bist Du tot!“, so sagen wir, wenn für uns eine Beziehung endet. Auch hier wird deutlich, zwischen Gott und seinem Volk ist keine Beziehung mehr möglich. Ende. Aus.

Jetzt muss Gott aber dringend vor den Völkern „um seines Namens willen“ handeln. Nur indem er Israel rettet, kann er zeigen, dass er nach wie vor ein mächtiger Gott ist. Dazu hätte es genügt, das Volk wieder in sein Land zurückzuführen. Aber Gott tut weit mehr. Er stellt nicht nur „seinen Namen“ vor den Völkern wieder her. Er erbarmt sich. Die Liebe zu seinen Menschen überwältigt ihn. Er schenkt einen neuen Anfang, schafft wieder neues Leben. Da wo nur ein totes Herz aus Stein ist, schenkt er ein lebendiges, pulsierendes, fühlendes, denkendes und sehnendes Herz. Von sich aus ist der Mensch nicht in der Lage, seine Unfähigkeit zur Beziehung mit Gott zu ändern. Aber Gott geht über sich hinaus, versucht es noch einmal. Er selbst schafft nun im Menschen die Voraussetzung ihn zu lieben und ihm zu dienen. Er stattet den Menschen mit einem neuen Geist aus, einer neuen Gesinnung, einem erneuerten Willen, sich auf ihn zu beziehen und ihm zu dienen. So kann es nun gehen, kann eine dauerhafte Beziehung zwischen Mensch und Gott möglich sein. Ein neues Herz aus Fleisch: weich und warm, lebendig, pulsierendes Leben, Sehnsucht und Bewegung. Ein Mensch, dessen Herz sich nach Gott sehnt, der Gottes Willen gerne tun möchte und auch dauerhaft dazu in der Lage ist. Gott erbarmt sich, beschenkt den Menschen mit einem neuen Herzen und einem neuen Geist, geht über sich hinaus und stellt die Beziehung wieder her, damit der Mensch wieder neu lebendig wird.

Und doch kommt auch dieser Mensch wieder an seine Grenzen. Bis Gott letztlich in Christus noch einmal ganz anders über sich hinausgeht und den Menschen in seiner Liebe und seinem Erbarmen noch einmal ganz neu zur Beziehung mit ihm befähigt. Noch einmal schenkt er neues Leben und befähigt den Menschen durch seinen Geist, nach seinem Gebot der Liebe zu leben. Und wenn ich dann wieder an meine menschlichen Grenzen komme? Dann darf ich mit Psalm 51 beten „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist.“

 

Prof. Dr. Andrea Klimt

Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal

07.02.2017

Fragen über Fragen

fragezeichen

Kleine Kinder haben keine Hemmungen Fragen zu stellen. Warum ist das so? Warum machst du das? Wie geht das? Wann sind wir da? Was für Erwachsene manchmal anstrengend ist, ist für Kinder wichtig um ihr Lebensumfeld zu begreifen und ihren Horizont zu erweitern. Fragen begegnen uns in unserem Leben täglich – von der einfachen Frage nach der Uhrzeit bis hin zur Frage nach dem was unser Leben bestimmt oder infrage stellt.

Fragen dienen der Informationssammlung, der Einschätzung von Situationen. Sie können uns gedanklich ins Stolpern bringen, uns herausfordern, uns neue Sichtweisen eröffnen.
Mit einer ernstgemeinten Frage nach dem Befinden oder Erleben des anderen wenden wir uns ihm zu und öffnen einen Raum in dem wir Gemeinschaft und Anteilnahme erfahren. Fragen können jedoch auch negativ besetzt sein. Immer dann, wenn sie uns in Verlegenheit bringen oder moralisch unter Druck setzten. Wenn jemand uns eine Frage stellt, dann erwartet er eine Auskunft, eine Antwort oder Erklärung. Was aber ist mit den Fragen, die wir nicht beantworten können? Die Fragen nach dem „warum“ von Krankheit, Leid und Tod. Wir haben darauf oft keine Antwort, sie entzieht sich unserem menschlichen Denken. Hier sind wir aufgefordert innezuhalten, nicht nach einer schnellen Antwort zu suchen. Wir müssen die Fragen aushalten, auf die es hier und jetzt keine Antwort gibt. Die Geschichte der Menschen beginnt verheißungsvoll. Doch schon bald steht eine ernste Frage im Mittelpunkt: „Adam - Mensch, wo bist du?“ Keine Frage nach dem Aufenthaltsort, sondern eine die Verhalten und Gehorsam infrage stellt: „Mensch – wo stehst du in deinem Leben?“ Gott hat für das Leben im Garten Eden nur eine wirklich wichtige Einschränkung gemacht: „…Du darfst jede beliebige Frucht im Garten essen, abgesehen von den Früchten vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“ (1. Mose 2, 16 + 17).

Adam und Eva lassen sich verführen und werden sich noch im selben Moment ihres menschlichen Versagens bewusst. Als Gottes Frage sie erreicht, haben sie keine Wahl, sie müssen sich stellen, Farbe bekennen und mit den Konsequenzen weiterleben. 

Viele Jahrhunderte später muss jemand erneut Farbe bekennen. Wieder geht es um eine Frage die aus einem Fehlverhalten resultiert, eine Frage die Leben verändern wird. Genau genommen sind es drei Fragen. Dreimal fragt Jesus Petrus: „Hast du mich lieb?“ Dreimal wurde Petrus im Hof des priesterlichen Palastes nach Jesus gefragt und dreimal verliert er den Mut ehrlich zu antworten. Als er dann Jesus nach der Auferstehung wiederbegegnet muss er Stellung beziehen. Dreimal fragt Jesus: „Hast du mich lieb, Petrus?“ Doch diesmal ist es anders als bei Adam, denn Jesus hat durch sein Sterben und die Auferstehung die Vorzeichen verändert, den Weg zu Gott frei gemacht. Mit jeder Frage die Jesus stellt eröffnet er für Petrus einen neuen Raum, eine neue Lebensperspektive, einen Auftrag. (Joh. 21, 15 ff) Jesus verharrt mit seinen Fragen nicht in der Vergangenheit, moralisiert nicht und klagt nicht an. Jesus hat das Ziel – Gottes Reich zu bauen - im Blick. Dabei ist ihm Petrus als Mensch mit seinen Möglichkeiten, seinen Gaben wichtig, um gemeinsam mit ihm neue Denk- und Handlungsprozesse in Gang zu setzen. Viele Jahrhunderte später….

Die Frage: „Hast du mich lieb?“ steht nach wie vor im Raum. Das Ziel ist immer noch das gleiche. Jesus hat unser ganzes Leben, mit allem was in uns angelegt ist, was uns prägt und antreibt, was uns umtreibt und zweifeln lässt, was uns freut und Spaß macht, im Blick. ER will gemeinsam mit uns Neues gestalten. Nun sind wir an der Reihe Stellung zu beziehen, sind wir aufgefordert die Frage zu beantworten!


Annette Grabosch

14.10.2016


Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



Seid alle zu Advent und Weihnachten herzlich gegrüßt!

  Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu, und wir schauen zurück und voraus! Vieles entwickelt sich in unserem Landesverband NRW und wir erleben, dass Veränderungen mit Wegen und Prozessen verbunden sind. In manchen Gemeinden werden sie mit leichtem Schritt und mit Freude gegangen, woanders brauchen sie aber auch Zeit und Begleitung, vor allem dann, wenn es heißt, sich von Vergangenem zu verabschieden. ...

27.11.2017


Von Lebensgeschichten, wie nur Jesus sie schreiben kann

Im November veranstaltete der österreichische Baptistenbund in Wien seine jährliche Missionskonferenz. Es war ein buntes Fest, wie Pastor Dietrich Fischer-Dörl in seinem persönlichen Bericht zeigt..

07.12.2017

Neu: Akademie im Gespräch

Die neue Reihe Akademie im Gespräch startet mit dem Thema: Die "Islam-Debatte".

07.12.2017

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